27
Jan
2012

Blumen der Einsamkeit

Elf Uhr morgens in einem Café, das sich ganz aufs Frühstücken spezialisiert hat. Viel Holz und wenig Überflüssiges, die Speisekarte wartet auf mit Café au lait und Brioche. Szenekneipen sehen anders aus - Wirtshäuser auch. Und doch sitzt an einem der blanken, von den Spuren eines unbekannten Gebrauchs gezeichneten Holztischen ein älterer Mann vor seinem Bier: Hellbronzefarben steht es da, mit kleinen, feinen Blubberbläschen, die munter im sauberen Glas aufsteigen. Es strotzt nur so vor Frische und hat einfach die perfekte Blume. Das müssten vermutlich selbst jene zugeben, denen Prosecco lieber ist. A propos Blume: Die andere Seite des Tisches ziert ein kleines Väschen mit Astern darin. Der Mann scheint beides nicht zu sehen. Seine Augen blicken melancholisch unter dem beneidenswert vollen, welligen Silberhaar hervor. Es erinnert entfernt an einen Blumenkohl.
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