27
Jan
2012

Blumen der Einsamkeit

Elf Uhr morgens in einem Café, das sich ganz aufs Frühstücken spezialisiert hat. Viel Holz und wenig Überflüssiges, die Speisekarte wartet auf mit Café au lait und Brioche. Szenekneipen sehen anders aus - Wirtshäuser auch. Und doch sitzt an einem der blanken, von den Spuren eines unbekannten Gebrauchs gezeichneten Holztischen ein älterer Mann vor seinem Bier: Hellbronzefarben steht es da, mit kleinen, feinen Blubberbläschen, die munter im sauberen Glas aufsteigen. Es strotzt nur so vor Frische und hat einfach die perfekte Blume. Das müssten vermutlich selbst jene zugeben, denen Prosecco lieber ist. A propos Blume: Die andere Seite des Tisches ziert ein kleines Väschen mit Astern darin. Der Mann scheint beides nicht zu sehen. Seine Augen blicken melancholisch unter dem beneidenswert vollen, welligen Silberhaar hervor. Es erinnert entfernt an einen Blumenkohl.
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18
Jan
2012

Muntere Schreibgruppe im Café Noah

Ich hatte schon mehrfach von ihr gehört, mich aber erst Anfang des Jahres mit ihr getroffen: Die Schreibgruppe im Café Noah. Nun saß ich gestern schon zum zweiten Mal in gemütlicher Runde. Wirt Detlef hat uns einen schönen, großen Tisch freigehalten und umsorgt uns mit Speisen und Getränken; mit Inspiration versorgen wir uns selbst.

Die Gruppe steht jedermann und -frau offen, gibt sich selbst Schreibanregungen und tauscht sich über das Schreiben und das Leben aus - neue TeilnehmerInnen sind herzlich willkommen!

dienstags ab 18 Uhr im 2-wöchigen Rhythmus (ungefähr :-)
nächste Termine: 31. Januar + 7. Februar 2012
Café Noah im Hotel Arch
(Eingang neben Sport Schrott)
Haidplatz 2, Regensburg
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5
Jan
2012

Die Rohrpost

... ein Relikt aus vergangen Zeiten? Als öffentliche Fernpostanlage hatte sie ihre Hoch-Zeit in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In großen Gebäudekomplexen wird sie noch heute eingesetzt. Dort erfüllt sie eine Aufgabe, die kein Telefon und keine E-mail zu leisten vermag: Sie kann nicht nur Nachrichten übermitteln, sondern auch kleinere Gegenstände transportieren - und das schneller als jeder Kurier. Das macht sie vor allem für Kliniken interessant. In der Berliner Charité werden täglich 2.500 so genannte Hülsen bis zu 40 km/h schnell per Unterdruck oder im freien Fall durch ein Rohrsystem geschleust. So gelangen Blutproben, Medikamente oder Laborergebnisse von einer Station zur anderen. Und diese Rohrpostanlage wurde erst in den 80ern installiert! Ganz ohne Elektr(on)ik geht es hier aber auch nicht: Jede Büchse landet erst einmal in einer Zentrale im Keller, wo sie mit Hilfe einer Codierung auf ihren weiteren Weg geschickt wird - viele kleine Relais' sorgen für die richtige Weichenstellung im System.

Wie's genau funktioniert, zeigt dieser - wie ich finde - interessante Film.
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4
Jan
2012

Verkackt

Über die sprachliche Eloquenz von SportlerInnen lässt sich streiten. Über Ehrlichkeit nicht: "Man kann es in einem Satz zusammenfassen, ich habe es verkackt“, sagte Magdalena Neuner nach ihrem verpassten Weltcup-Sieg. Auch Bundespräsident Wulff räumt einen "schweren Fehler" ein. Fehler zu machen ist menschlich - die Verantwortung dafür zu übernehmen eine Frage der Ehrlichkeit.
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26
Dez
2011

Kommunizieren ohne Strom

Am Weihnachtsmorgen auf meiner Bettdecke - Schreiben unter Strom: Experimentieren mit Twitter, Blogs, Facebook & Co von Stefan Porombka. Ein ebenso intelligentes wie inspirierendes Buch, das Lust macht, das www als Medium für neue künstlerische, literarische Formen zu entdecken und zu nutzen. Gleichzeitig frage ich mich: Was haben wir früher gemacht? Ich bin durchaus ein Fan von stromlosen Technologien, wie zum Beispiel dem mechanischen Handquirl, mit dem sich Schlagsahne oder Mousse au chocolat herstellen lässt. Ein solches Gerät gibt mir das Gefühl von Selbständigkeit und Unabhängigkeit. Und die Kommunikation? Gibt es heute noch Kinder, die sich Dosentelefone basteln, oder sind irgendwo noch Brieftauben unterwegs? Wie funktionieren Rauchzeichen, ist die Rohrpost nur noch von musealem Interesse (und funktioniert die überhaupt ohne Strom)? Fragen über Fragen, denen ich in nächster Zeit nachgehen möchte. On- und offline.
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5
Dez
2011

Cyber X-mas

Den USB-Tannenbaum gibt es schon, und virtuelle Adventskalender mit und ohne Gewinnspiel auch. Wie aber wäre es mit einer Online-Weihnachtsfeier? Zeit ist eine knappe Ressource - gerade im Advent -, und vor dem Rechner sitzen wir sowieso. Dennoch ergibt meine Suche bei Facebook nur Hinweise auf Weihnachtsfeiern im echten Leben.
Doch wäre es nicht schön, mit einer Tasse Glühwein (auch Tassenwärmer gibt es mittlerweile mit USB-Versorgung) im heimeligen Büro oder zu Hause vor dem Bildschirm zu sitzen, ohne den Lärmpegel einer Betriebsweihnachtsfeier? Was als Witz gedacht war, entpuppt sich als Wahrheit: Im Betrieb einer Freundin, der vor Jahren in einem weltweiten Konzern aufging, trifft man sich an einzelnen Standorten zwar vor Ort. Doch ist man per Computer über ein fadenscheiniges Online-Spiel mit den Kollegen und Kolleginnen in aller Welt verbunden. Rechte Stimmung, so sagt sie, wollte nicht aufkommen.
Wen wundert's.
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28
Nov
2011

Prozentige Getränke

Der baumlange Typ im Supermarkt ist mir nicht ganz geheuer. Welchen Wein man denn empfehlen könne, fragt er mich. Er trinke sonst nie was, er kenne sich nicht aus. Vermutlich ist sein Budget begrenzt, und er will einen süßen Roten, der Bio-Tempranillo kommt nicht in die engere Wahl. Dann erklärt er plötzlich, er trinke nur Wein, bei dem die Kiste 300 Euro kostet, und mäandert dabei zwischen "Sie" und "Du", wofür er sich entschuldigt. (Sei's drum, Kumpel.) Schließlich zeige ich auf eine Flasche Dornfelder lieblich für einsneunundneunzig und mache, dass ich wegkomme. An der Kasse legt eine junge Frau hinter mir zwei Pfund Kaffee auf das Laufband.
"Wie viel Prozent hat denn der?"
Verkaufen sie neuerdings bei Netto Kaffeesorten mit unterschiedlichen Anteilen von Robusta und Arabica? Hab ich da was verpasst?
"Steht drauf", antwortet der Verkäufer mechanisch. Die Frau dreht die beiden Päckchen umständlich hin und her. Der Verkäufer erbarmt sich, auch er sucht vergeblich die Verpackung nach dem gewünschten Hinweis ab.
"Weiß nicht. Fünfzehn Prozent?", mutmaßt er. Die Kasse schließlich wirft den aktuellen Mehrwertsteuersatz aus.
Wahrscheinlich ist das Personal hier eher nahkampftechnisch als kaufmännisch geschult. Schließlich habe ich selbst schon erlebt, dass knapp hinter mir ein Menschenknäuel aus dem Laden flog: Ein gewaltbereiter Kunde, die eckige Whisky-Flasche in der hinteren Hosentasche verstaut, auf ihm dieser nette junge Verkäufer, den ich seitdem nicht mehr gesehen habe.

Ich nehme meinen Kinderpunsch und gehe zu meinem Fahrrad. Vorne an der Ecke das übliche Grüppchen, das sich der Nähe zum Nachschub wegen dort immer ansammelt und heute - vielleicht wegen des ungewöhnlich warmen Wetters - besonders zahlreich erschienen ist. Unter ihnen weilt mein Weinfreund.
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12
Nov
2011

Breitwandformat: Trägt nicht auf

Heute hat radicchia Radicchio gekauft - und einen neuen Monitor. Der alte zeigte schon vor geraumer Weile gewisse Zuckungen, die man auch als eigenes Augenzucken oder optische Täuschung hätte abtun können. Aber ich wollte auf Nummer Sicher gehen - schließlich ist der Monitor mein Fenster zur virtuellen Welt, sowie zu meinen Manuskripten und Kurskonzepten, die auf dem Rechner lagern.
Also bestellte ich einen neuen Gebrauchten bei einem Händler meines Vertrauens. Nicht bestellt hatte ich dagegen die senkrechten rosa Streifen, die sich nach einigen Tagen auf dem Bildschirm zeigten, und zwar unabhängig davon, an welchem Rechner das Ding angeschlossen war. Schade. Nachdem ich das fehlerhafte Gerät zurückgeschickt und auch die Versandkosten erstritten hatte, nahm ich erst mal wieder den guten alten HP 1730 in Gebrauch. War mir sowieso lieber: Schön handlich und klein, und das Bild schien irgendwie komfortabler für meine Augen. Und vielleicht hatte ich mich ja getäuscht, und er würde es noch eine Weile tun.
Heute dann das endgültige AUS: Das Bild blieb schwarz.
Nach meinen Erfahrungen mit dem Onlineversandhandel (wer schon mal einen Monitor für den Transport mit einem Paketdienst verpackt hat, weiß, wovon ich rede) kam mir der gute alte Media Markt schon fast wie ein Elektronik-Tante-Emma-Laden vor: Mehrere Modelle zum Anfassen und -schauen und leidliche Beratung. Der Monitor ist schön flach und trägt nicht auf, wie mir der Verkäufer versicherte! Und der Rahmen imitiert gebürstetes Metall, ist also resistent gegen Fingerabdrücke. Ist das nicht schön, wie ich als Frau technisch beraten werde? Zum Glück hatte ich mich schon vorher über mein Wunschfabrikat schlau gemacht. Und nun steht er hier und wird hoffentlich so bald nicht wieder ausgetauscht, mein 22-Zöller von LG. Auch wenn die Augen sich erst an das Breitwandformat gewöhnen müssen! Die rechte Hälfte des Bildschirms bleibt nun, so lange ich blogge, mädchenhaft rosa. Und dank LED-Technik verhält er sich sogar sparsam mit Platz und Strom.
50 mal gelesen

7
Nov
2011

Kandinsky: Durchgehender Strich (1923)

Ich bestehe aus geraden Linien und rechten Winkeln, die aus der Perspektive schräg erscheinen. Kein Wunder, denn ich bin groß und noch weit weg, aber im Bild schon zu sehen. Wie ein kometenhafter Gitterrost, ein kosmischer Absperrzaun oder ein fliegender Riesenparavent aus japanischem Reispapier. Um mich herum kreist ein bunter Planet, erschaffen aus Sternenstaub mit einem Zauberstab.

Wo ist das Zentrum?

Um mich her ist so viel Chaos, und doch hat alles seine Ordnung: Die Farben, Formen und Linien und der Raum dazwischen. Und ich, das Gitter aus schwarzen und weißen Linien. Wie ein Netz treibe ich hinein in dieses Bildaquarium, bereit, die dicken roten Fische einzufangen. Stattdessen angeln Blicke nach uns, verfangen sich, verweilen, schwenken weg: Bildunterschrift. Von uns fällt keiner aus dem Rahmen, überschreitet die Grenze, die der Maler uns gesetzt hat. Man sagt, er habe bewusst gewählt. Wie ein Gott, Schöpfer meiner Welt.

entstanden nach dem Workshop Ich & Rolle, Wiener Schreibpädagogik, Oktober 2011
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5
Nov
2011

Strawanzen

An Tagen wie heute, wenn ich ausgeschlafen bin und die Sonne scheint, gehe ich gerne strawanzen. Natürlich könnte ich auch einfach bummeln, doch das wäre harmlos. Bummeln bedeutet, durch die Geschäfte zu schlendern, ein wenig aus der Zeit zu fallen und sich hier und da eine Kleinigkeit zu gönnen. Dem Strawanzen hingegen haftet schon etwas leicht Verbotenes an - Geld ausgeben, das ich eigentlich nicht habe, Torte mit zu vielen Kalorien essen und am hellichten Tage Weißbier trinken.

Letzten Endes aber flüchte ich zumeist konsumgestresst aus den Kaufhäusern, hinein in ein ruhiges Café. Meine Beute beschränkt sich auf zwei Rollen "Allesnäher", farblose Schuhcreme, eine Häkelnadel und preisreduzierte Garnreste. Und ein neues Notizbuch, dessen Deckel ein Faksimile von "Romeo and Juliet" ist, Printed by John Danter, London 1597. As it hath been often (with great applause) plaid publiquely.

So sitze ich und schreibe, und es bleibt bei einer vorzüglichen Tasse Cappuccino.
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