Alltagsfreuden

16
Mai
2012

Bayerisch abheben - do legst di nieder

Bares in Bremen: Wie überall an Geldautomaten erhältlich. Nur an welchem kostenfrei? Probehalber schiebe ich die Plastikkarte in einen EC-Automaten unbekannter Zuordnung. Ob ich für das Abheben bezahlen muss, wird er mir schon sagen. Doch erst einmal bietet er mir verschiedene Sprachen an. Aufmerksame LeserInnen erinnern sich vielleicht daran, dass ich mir gerne den Spaß mache, eine fremde Sprache auszuwählen. Doch was ist das? Neben Türkisch, Englisch, Französisch bietet er mir - Bayerisch! Und das im hohen Norden! Ist das Diskriminierung oder Entgegenkommen? Egal. "Do muasst dei Geheimzoih eigebm", spricht der Automat. Klaro. Und: "Mir berechnen dir 4,99. Dei eigne Bank verlangt nix mehra." Oder so ähnlich. Ich drücke auf Abbrechen. "Mogst nimmer?" fragt der Automat. Na, mog i nimmer. Ned amoi auf Boarisch!
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5
Mai
2012

Glitzerträume

Wann komme ich endlich in die Pubertät?, fragte ich mich letztes Wochenende, beim Workshop Autobiografisches Schreiben in Wien. Am Anreisetag war ich schon an diesem Geschäft vorbeigekommen, dem ich einfach nicht widerstehen konnte: Tausende bunter Glasperlen und Glitzersteine. Die beiden Matrjoschkas in Miniaturform musste ich unbedingt haben. Auch wenn ich noch nicht genau wusste, was ich damit anfangen sollte. Gestern war es so weit: In meinem Lieblings-Handarbeitsgeschäft fand ich nicht nur das passende Zubehör und Werkzeug (Fädelstifte, Ohrhaken, Seitenschneider und Zangen), sondern auch eine nette Verkäuferin, die mir zeigte wie es geht. Nämlich kinderleicht... die Mini-Matrjoschkas "hängte" ich gleich im Laden, heute Morgen entstand noch ein Pärchen Ohrringe aus rosa Glaskugeln und silberfarbenen Miniaturröschen. Klingt mädchenhaft? Ist es auch. Aber nicht besonders pubertär, auch wenn ich mich jetzt daran erinnere, dass ich als Jugendliche gerne mit Modeschmuck experimentierte. Heute ist es wohl die Lust am Basteln und Spielen, die mich bewegt.
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14
Apr
2012

Wäsche im Wind

Ich liebe es, wenn frische Bettwäsche nach Draußen riecht und nicht nach Keller. Nur manchmal ist es nicht so eindeutig - wird das Wetter halten, reicht die Zeit bis abends noch aus, oder wird die Wäsche wieder Feuchte ziehen, bevor ich sie abnehmen kann?

Der Wind war kühl auf der Haut, während ich mit der nassen Wäsche hantierte. Doch er wehte kalt und trocken, die Wäschestücke wanden und blähten sich fest umklammert an der Leine - bis eben, als ich sie trocken von der Leine pflückte. Zufrieden wickelte ich die gelbe Schnur wieder ein, fand dann noch einen Euro auf der Wiese und bedauerte die Tulpe, die - aufrecht und standhaft neben der Wäschestange - im Luftzug bebte.
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29
Feb
2012

Schalttag

Heute ist Schalttag. Der 29. Februar, ein Datum, das es in drei von vier Jahren regelmäßig gar nicht gibt. Ein Tag mehr Produktivität für die Arbeitgeber und Dienstherren, ein Tag mehr Zeit für Arbeit, Müßiggang oder auch Spiel: Als Kinder fanden wir so etwas noch aufregend - ungeheuerlich, dass es Menschen gibt, die nur in Schaltjahren "richtig" Geburtstag feiern können!Trotzdem habe ich den heutigen Tag noch gar nicht richtig gewürdigt.

Eine Schweigeminute für den Schalttag bitte! Was wäre, wenn es ihn nicht gäbe? Schon März? Und wäre der Mittwoch verschwunden in den Unregelmäßigkeiten der Zeit, verschluckt zwischen Dienstag und Donnerstag? Wer weiß.
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25
Feb
2012

frühlingsgefühl

ich fließe
durch den lauen strom
der passanten
mein kopf
spielt unter wasser
ich bin
dem winter
entrückt
der nahe frühling
fährt mir in die
schläfrigen gebeine
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6
Feb
2012

Kalte Engelsfinger

Dornröschen, das sonst so zuverlässig anspringt, gab plötzlich nur noch einen Röchler von sich - kein Einzelschicksal für ein Auto dieser Tage, die ADAC-Hotline war überlastet. Dann entdeckte ich die Online-Pannenmeldung: Von der Bestätigungsmail bis zum Erscheinen des Gelben Engels vor meiner Garage dauerte es kaum eine halbe Stunde. Kurz darauf hatte Dornröschchen eine neue Batterie. Was war ich froh! Und wie bewunderte ich den Mechaniker, der bei diesem Wetter seine Finger ständig unter eisigkalte Motorhauben stecken muss. Nun kann ich durchaus bei Temperaturen unter Null eine Weile draußen herumstehen, wenn ich richtig angezogen bin. Doch ohne Stirnband und Handschuhe geht gar nichts: Ich musste nur ein bisschen den Zündschlüssel bedienen und dem Gelben Engel die Kunden- und EC-Karte reichen, schon wurden die Finger weiß und gefühllos.

Ich ziehe meinen Hut - oder in diesem Fall mein Stirnband - und verneige mich tief vor allen Gelben Engeln, Notdienstleistenden, Briefträgerinnen und Paketboten, die dieser Tage mit und ohne Handschuhe durch die Kälte fliegen, fahren, stapfen und einfach ihre Arbeit machen.
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18
Jan
2012

Muntere Schreibgruppe im Café Noah

Ich hatte schon mehrfach von ihr gehört, mich aber erst Anfang des Jahres mit ihr getroffen: Die Schreibgruppe im Café Noah. Nun saß ich gestern schon zum zweiten Mal in gemütlicher Runde. Wirt Detlef hat uns einen schönen, großen Tisch freigehalten und umsorgt uns mit Speisen und Getränken; mit Inspiration versorgen wir uns selbst.

Die Gruppe steht jedermann und -frau offen, gibt sich selbst Schreibanregungen und tauscht sich über das Schreiben und das Leben aus - neue TeilnehmerInnen sind herzlich willkommen!

dienstags ab 18 Uhr im 2-wöchigen Rhythmus (ungefähr :-)
nächste Termine: 31. Januar + 7. Februar 2012
Café Noah im Hotel Arch
(Eingang neben Sport Schrott)
Haidplatz 2, Regensburg
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5
Nov
2011

Strawanzen

An Tagen wie heute, wenn ich ausgeschlafen bin und die Sonne scheint, gehe ich gerne strawanzen. Natürlich könnte ich auch einfach bummeln, doch das wäre harmlos. Bummeln bedeutet, durch die Geschäfte zu schlendern, ein wenig aus der Zeit zu fallen und sich hier und da eine Kleinigkeit zu gönnen. Dem Strawanzen hingegen haftet schon etwas leicht Verbotenes an - Geld ausgeben, das ich eigentlich nicht habe, Torte mit zu vielen Kalorien essen und am hellichten Tage Weißbier trinken.

Letzten Endes aber flüchte ich zumeist konsumgestresst aus den Kaufhäusern, hinein in ein ruhiges Café. Meine Beute beschränkt sich auf zwei Rollen "Allesnäher", farblose Schuhcreme, eine Häkelnadel und preisreduzierte Garnreste. Und ein neues Notizbuch, dessen Deckel ein Faksimile von "Romeo and Juliet" ist, Printed by John Danter, London 1597. As it hath been often (with great applause) plaid publiquely.

So sitze ich und schreibe, und es bleibt bei einer vorzüglichen Tasse Cappuccino.
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2
Nov
2011

Garage

Hurra: Nach langer Wartezeit hat mein Auto seit Oktober eine Garage. Die ist vorne und hinten ein bisschen kurz, aber in der Mitte passt's.
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1
Nov
2011

Rausch und Ruhe

Ein schöner Herbst ist schon was Schönes: Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich tiefrot leuchtende Astern, dahinter einen Ahorn in Grün-gelb. Anderes Laub, durch das ich auf meinen Spaziergängen wate, schimmert rötlich, orange, gelb und grün, manchmal auf einem einzigen Blatt; hoch ragen bunte Bäume in den blauen Himmel über dem Dörnbergpark. Und wenn es trüb ist, leuchten die Farben umso mehr.
Doch wo sind die Stürme? Wo ist der Herbst, der die Blätter von den Bäumen zaust und vom Vergehen kündet, das nach der Winterruhe in ein neues Werden mündet? Wo ist der Aufwind, der die Drachen steigen lässt?
Manchmal ist er mir nicht geheuer, dieser schwülstig-schöne Farbenrausch. Auch wenn er mich animiert, Kleider in Bollywoodfarben anzulegen und die herbstliche Ruhe auch meinen Geist beruhigt.
Denn ich weiß ja, irgendwann im November werden sie kommen, die Stürme.
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